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Erklärung des Bürgermeister der Stadt Arnsberg zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht

Arnsberg. Es gibt keine Worte, die stark genug wären, um die entsetzliche Tragödie der Shoa (des Holocaust) zu bedauern, die in der Reichspogromnacht vor 70 Jahren auch in unserer Stadt ihren Anfang nahm.“
Arnsberg. Die antijüdischen Pogrome vor 70 Jahren fanden auch in den damaligen Städten und Gemeinden der heutigen Stadt Arnsberg statt. Die Gewaltaktionen richteten sich gegen die drei Synagogen-Gemeinden und ihre Mitglieder, Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens in den damaligen Städten und Gemeinden Neheim, Hüsten, Arnsberg und Oeventrop. Auch wenn die Ausschreitungen zum Teil erst am Vormittag und sogar noch am Nachmittag des 10. November 1938 stattfanden, zählen sie zu Recht zur „Reichspogromnacht“ vom 9. November 1938.
Die Angriffe auf die Synagogen-Gemeinde Arnsberg Auswärtige Trupps der Sturmabteilung (SA) der Nazis, angeleitet von ortskundigen heimischen Personen, plünderten und demolierten in Alt-Arnsberg die Häuser und Wohnungen der jüdischen Bürgerinnen und Bürger am Steinweg, am Alten Markt sowie in der heutigen Clemens-August-Straße und in der Grafenstraße. Alle männlichen Juden wurden verhaftet, im Polizeigefängnis im Rathaus (heute: Altes Rathaus) in sogenannte Schutzhaft genommen und anschließend über Dortmund in das Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen bei Berlin deportiert, aber vor Weihnachten wieder entlassen.

Einige SA-Mitglieder stürmten die Arnsberger Synagoge an der Schloßstraße. Sie demolierten das Mobiliar, schichteten die Holztrümmer in der Mitte des Betraumes auf. Anwohner konnten verhindern, dass sie Feuer legten. In Oeventrop, das zur Arnsberger Synagogen-Gemeinde zählte, begannen die antijüdischen Aktionen am Nachmittag des 10. November 1938. Die Oeventroper jüdischen Glaubens wohnten hier auf der Kirchstraße. Unterstützt durch Mitglieder der sogenannten Schutzstaffel (SS) der Nazis aus Neheim und Hüsten wurden fünf jüdische Geschäfte und Wohnungen in der Kirchstraße geplündert und zerstört. Die Angriffe auf die Synagogen-Gemeinde Neheim Die Geschäfte und Wohnungen jüdischer Bürgerinnen und Bürger in Neheim, hauptsächlich in der heutigen Hauptstraße, an der Mendener Straße und an der Langen Wende wurden von SA-Kräften der Nazis geplündert und demoliert. Die Synagoge an der Mendener Straße wurde am Abend des 9. November angegriffen und völlig demoliert. Einrichtungstrümmer, Tora-Rollen, theologische Bücher, Gebetsmäntel und -schals lagen am anderen Morgen im Vorhof und steckten am Zaun der Neheimer Synagoge zur Mendener Straße hin.
Die Angriffe auf die Synagogen-Gemeinde Hüsten Die meisten Hüstener Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens wohnten in der heutigen Marktstraße sowie an der Heinrich-Lübke-Straße. In der Marktstraße stand die Synagoge hinter einem Geschäftshaus. Sie wurde durch die antijüdischen Gewaltaktionen erheblich beschädigt. In Hüsten demolierten SA-Trupps Wohnungen und Geschäfte der jüdischen Bürgerinnen und Bürger. Der Weg in den Holocaust (Shoa) begann vor 70 Jahren. Vor 70 Jahren wurden 1.406 Synagogen und Betstuben niedergebrannt oder vollständig zerstört. Drei von ihnen standen in der heutigen Stadt. Vor 70 Jahren wurden unzählige Geschäfte, Häuser und Wohnungen jüdischer Bürgerinnen und Bürger demoliert und geplündert. Unter ihnen waren Geschäfte, Häuser und Wohnungen in der heutigen Stadt Arnsberg. Wenige Jahre später wurden 120 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus der heutigen Stadt Arnsberg in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern ermordet. Mit ihnen wurde das jüdische Leben in unserer Stadt ausgelöscht.
Es gibt keine Worte, die stark genug wären, um die entsetzliche Tragödie der Shoa – des Holocaust – zu bedauern, der mit den November-Pogromen vor 70 Jahren auch in unserer Stadt begann. Es gibt aber die Verantwortung auch der Nachgeborenen für eine Welt, in der Menschen jüdischen Glaubens ohne Angst leben können. Deshalb wird Arnsberg seine jüdischen Bürgerinnen und Bürger nicht vergessen und jegliche Tendenzen antijüdischer Ideologien, Propaganda und Ausschreitungen entgegen treten. Nur wenn wir der Vergangenheit wachsam ins Auge blicken, können wir einem neuen Verbrechen dieser Art von Anfang an entgegen wirken. Wer mit ansieht oder verschweigt, wenn Menschen ihrer Würde beraubt werden oder wenn Gewalt gegen Menschen verübt wird, beteiligt sich daran.
Darum muss es heißen: Nie wieder. 

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