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Der Gero-Codex kommt zurück nach Arnsberg

Mittelalterliche Handschrift ist Weltkulturerbe – Bürgermeister unterschreibt Leihvertrag

Arnsberg. Der [[Gero-Codex]] ist über 1000 Jahre alt. Das Buch aus ottonischer Zeit wurde vor dem Jahre 969 für den späteren Kölner Erzbischof Gero angefertigt. Die Handschrift, denn damals war der Buchdruck noch nicht erfunden, wurde von einem Mönch Anno im Kloster Reichenau geschrieben und durch Gero dem Hl. Petrus als Patron des Kölner Domes gestiftet. Zu einem unbekannten Zeitpunkt vor dem Jahre 1752 gelangte die berühmte Handschrift in die Bibliothek des Arnsberger Klosters Wedinghausen. Bei der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 wurde es als „das gemalte Buch von Wedinghausen“ nach Darmstadt in die Bibliothek des neuen Landesherrn, Landgraf Ludewig X. von Hessen-Darmstadt verbracht. Jetzt kehrt es zurück.

Bürgermeister Hans-Josef Vogel hat den Leihvertrag unterschrieben und damit den Weg für eine Rückkehr des Gero-Codex frei gemacht. Für rund drei Monate wird der Gero-Codex in seiner alten Heimat ausgestellt. Das ist auch ein Resultat der guten Zusammenarbeit der Arnsberger und Darmstädter Historiker. Eine rund 6.000 Euro teure klimatisierte Vitrine und zusätzlich diverse Sicherungseinrichtungen sind außerdem die Bedingung, dass die Darmstädter Universitäts- und Landesbibliothek die prachtvolle Pergamentenhandschrift nach Arnsberg ausleiht. Für die Stadt Arnsberg ist die Vitrine aber keine Investition nur für diese Ausstellung, sie ist mobil und kann später vielfältig sinnvoll genutzt werden.

Die Säkularisation, also die Aufhebung der Klöster durch napoleonischen Einfluss, sorgte für einen neuen Landesherrn in Arnsberg. Nicht mehr der Kölner Kurfürst und Erzbischof, sondern Landgraf Ludewig X. von Hessen-Darmstadt hatte als Napoleons Verbündeter die Macht. Er ließ viele Kulturgüter, wie auch den Gero-Codex an seinen Residenzsitz nach Darmstadt bringen. Glücklicherweise hat der Gero-Codex hier den Zweiten Weltkrieg schadlos überstanden.

Die Handschrift wird dort unter der Signatur Hs. 1948 in der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt aufbewahrt. Der Codex steht als digitale Faksimileausgabe im Internet und auf CD dem Publikum zur Verfügung. Das Original ist aus konservatorischen Gründen nur sehr selten in Ausstellungen zu sehen.

Um das herausragende Kunstwerk der vorletzten Jahrtausendwende vor dem Zerfall zu bewahren und es für die Menschheit zu retten, wird es in einem klimatisierten Raum in einem gesonderten Magazintrakt sicher gehütet. Selbst Wissenschaftler erhalten nur in Ausnahmefällen Zugang zu der Handschrift. Zwar ist der Gero-Codex mit 30 Millionen Euro versichert, sein eigentlicher sakraler und kulturgeschichtlicher Wert lässt sich aber mit Zahlen nicht ermessen. Der Gero-Codex des Klosterschreibers Anno zählt zu zehn Pergamenthandschriften, die in der weltberühmten Malschule auf der Klosterinsel Reichenau im Bodensee entstanden sind. Sie sind am 30. August 2003 in das UNESCO-Programm „[[Memory of the World]]“ aufgenommen wurden.
Der Gero-Codex hat eine Größe von 20 x 23cm und besteht aus 176 kunstvollen Pergamentblättern. Er ist ein Evangelistar mit Auszügen aus den vier Evangelien des Neuen Testamentes. Der in karolingischen [[Minuskel]]n geschriebene lateinische Text des Gero-Codex enthält 298 Evangelienlesungen für den gesamten Jahreslauf.

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