Jubiläumsveranstaltung 37 Jahre Frauenarchiv Arnsberg im Kapitelsaal des Klosters Wedinghausen
Jubiläumsveranstaltung 37 Jahre Frauenarchiv Arnsberg im Kapitelsaal des Klosters Wedinghausen (Foto: Stadt Arnsberg)

Arnsberg. Rund 40 Gäste kamen am vergangenen Samstag zur Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 37-jährigen Bestehens des Frauenarchivs Arnsberg in den Kapitelsaal des Klosters Wedinghausen. Die Veranstaltung machte deutlich, welche Bedeutung das Frauenarchiv für die Sichtbarkeit von Frauenleben, Frauengeschichte und Gleichstellungsarbeit in der Stadt hat.

Das Frauenarchiv Arnsberg wurde Ende 1989 unter der Leitung der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Petra Kersting ins Leben gerufen. Bereits am 16. Januar 1990 bezeichnete die Presse es als ‚bislang bundesweit einmalig‘. Die Jubiläumsveranstaltung griff diese besondere Entstehungsgeschichte auf und verband sie mit aktuellen Fragen feministischer Archivarbeit.

In ihrer Begrüßung erinnerte die heutige Gleichstellungsbeauftragte Petra Blesel daran, dass Frauengeschichte kein Zusatz zur Stadtgeschichte sei, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil davon. Archive seien Gedächtnisorte: Sie bewahrten Spuren, machten Lebenswirklichkeiten sichtbar und stellten zugleich die Frage, welche Geschichten überliefert werden und welche nicht.

Podiumsdiskussion beim Jubiläum des Frauenarchivs Arnsberg
Podiumsdiskussion beim Jubiläum des Frauenarchivs Arnsberg (Foto: Stadt Arnsberg)

Ein zentraler Bezugspunkt der Veranstaltung war die Dokumentation ‚… unbeschreiblich weiblich. Eine Dokumentation zur Geschichte der Frauen in Arnsberg von 1848 bis 1945‘, die 1990 von der Stadt Arnsberg und dem Frauenarchiv herausgegeben wurde. Petra Blesel betonte, dass das Werk gerade jene Lebensbereiche sichtbar mache, die lange als vermeintlich nicht relevant galten: Alltag, Sorgearbeit, Bildung, Erwerbsarbeit, Vereinswesen, Fürsorge, politische Beteiligung und gesellschaftliche Handlungsspielräume von Frauen.

Das Programm zeigte, wie lebendig Archivarbeit sein kann. Christine Hönick eröffnete mit Beiträgen zu ‚Starke Frauen in Arnsberg‘ und ‚Saalgeschichten‘ lokale Perspektiven auf Frauengeschichte. Im Kunstgespräch zur Ausstellung ‚Hantieren mit Unwägbarkeiten‘ im Lichthaus gaben Liska Schwermer-Funke und Kathrin Brandt Einblicke in künstlerische Auseinandersetzungen mit Erinnerung und Gegenwart. Linda Unger vom feministischen Archiv ausZeiten stellte 30 Jahre feministische Archivgeschichte in Westfalen vor. Gitta Büchner las die Kurzgeschichte ‚Wahre Leidenschaft‘. Einen besonderen Bezug zur Arnsberger Archivgeschichte bot die szenische Lesung mit dem Arnsberger Frauenensemble unter der Leitung von Marlies Langhorst.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Petra Kersting und Marlies Langhorst, moderiert von Linda Unger, wurde deutlich, wie eng Archivarbeit, Gleichstellungsarbeit, Kultur und Stadtgeschichte miteinander verbunden sind. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit ausZeiten statt, dem feministischen Archiv aus Bochum, das seit 1995 feministische Geschichte in Westfalen sichert und zugänglich macht. Im Rahmen eines durch die LWL-Kulturstiftung geförderten Projekts wird dabei auch die Geschichte des Arnsberger Frauenarchivs in den Blick genommen.

Als zentrales Fazit der Jubiläumsveranstaltung wurde festgehalten: Der Erhalt und die Weiterführung des Frauenarchivs Arnsberg sind von großer Bedeutung. Ebenso wichtig sei es, Lebensgeschichten von Arnsberger Frauen für jene Jahrzehnte zu erforschen, die bislang noch nicht aufgearbeitet wurden. Die Anwesenden richteten eine Bitte an die lokale Politik, für diese Arbeit die notwendigen Mittel und Ressourcen bereitzustellen.

Schreibe einen Kommentar