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Geschichte aus erster Hand: Unterrichtsbesuch der Augenzeugin Helga Walbaum beim Franz-Stock-Gymnasium

Helga Walbaum am FSGIm Rahmen einer Unterrichtsreihe zum Thema „Kirche im Nationalsozialismus“, das im Religionskurs 10 am Franz-Stock-Gymnasium behandelt wurde, hatte Kursleiter Oberstudienrat Neiseke Frau Helga Walbaum (83) aus Paris gewinnen können, ihre Erlebnisse den Schülerinnen und Schülern vorzustellen. Dabei hob sie insbesondere ihre schulischen Erfahrungen hervor.

Sie war als 11-jähriges Mädchen mit ihren Eltern 1938 aus Köln nach Paris geflohen, weil Vorfahren ihres Vaters jüdischen Glaubens gewesen waren. Obwohl ihre Familie, alle katholisch getauft, in der Kirche aktiv waren, hatten sie unter den Schikanen der Nazis zu leiden und mussten das Schlimmste befürchten. Als erste Anlaufstelle in Paris hatten Freunde ihnen die Adresse von Franz Stock empfohlen. Dieser nahm sich der Flüchtlinge an und sorgte dafür, das sie an das Notwendigste zum Leben in dieser Stadt gelangen konnten. Da sie als junges Mädchen keine Französischkenntnisse besaß, brachte sie Franz Stock in der sogenannten „Deutschen Schule“ in der Innenstadt von Paris unter. Da diese in einem Privathaus geführte Schule jedoch fast nur von Kindern der deutschen Botschaftsangehörigen besucht wurde, ergab sich nach kurzer Zeit für die junge Helga das Problem, der nationalsozialistischen Ideologie ausgesetzt zu sein. Deshalb organisierte Franz Stock als Pfarrer der „Deutschen Katholischen Gemeinde“ in den kirchlichen Räumen zusätzlichen Unterricht und Kurse in Deutsch und Französisch mit den überlieferten Kulturthemen. So konnte Frau Walbaum im Laufe der Zeit sich in das Kulturleben Frankreichs eingewöhnen, ohne ihre deutschen Wurzeln verkümmern lassen zu müssen.
Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Paris verschlechterte sich die Situation für die Familie dramatisch. Frau Walbaum durchlebte in der Folge vielfältige Wechsel von existenziellen Bedrohungen und eher friedlichen Phasen, wobei Franz Stock half, das Schlimmste zu überstehen. Insbesondere sorgte er dafür, dass der Vater nicht deportiert wurde. Deshalb gebührt ihm in ihrer Erinnerung ein hervorragender Platz.

Die Schülerinnen und Schüler folgten ihren Ausführungen mit großer Anteilnahme und richteten zum Schluss zahlreiche Fragen an sie. Der stellvertretende Schulleiter, Studiendirektor Kexel, sowie Oberstudienrat Neiseke bedankten sich mit einem Präsent für ihre detaillierte Darstellung und betonten, dass derartige lebendige Schilderungen als eine hervorragende Bereichung des Unterrichts anzusehen seien und das Verständnis der heutigen Jugend für die damaligen Ereignisse anschaulich förderten.       

Weitere Informationen und Bilder unter www.franz-stock.de

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