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Humanitärer Beirat liefert viel Input

Arnsberg. Sehr gut besucht: Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben nun an der dritten Sitzung des von Bürgermeister Ralf Paul Bittner ins Leben gerufenen Humanitären Beirates teilgenommen und in drei Arbeitsgruppen über verschiedene Themen rund um die Hauptthematik „Demografischer Wandel“ diskutiert.

Der Humanitäre Beirat wurde im Frühjahr 2018 durch Bürgermeister Ralf Paul Bittner ins Leben gerufen. Seit der Konstituierung des Gremiums nehmen kontinuierlich um die 50 bis 60 Gäste aus dem sozial-caritativen Spektrum an den Sitzungen des Gremiums teil. „Im Zusammenspiel mit sozial-caritativen Akteuren das Leben in schwierigen Situationen positiver zu gestalten, das ist es, was den Humanitären Beirat ausmacht“, so Bittner. Viele Personen und Organisationen seien in diesem Bereich seit vielen Jahren engagiert unterwegs. Nun gelte es, diese so zusammenzubringen und zu vernetzen, dass allgemeine Probleme ebenso wie einzelne Härtefälle besprochen, angegangen und letztlich gemeinsam gelöst werden können, so Bittner.

In der gestrigen Sitzung stellte der Bürgermeister zunächst verschiedene Ideen und Ansätze vor, die darauf abzielen, das Profil des Gremiums langfristig weiter zu schärfen. Anschließend präsentierte Michael John, Fachbereichsleiter Schule | Jugend | Familie, den Demografiebericht für die Stadt Arnsberg. Dieser liefert zahlreiche tiefgreifende und spannende Erkenntnisse für die Entwicklung und Sozialplanung der Stadt. Wie alt werden die Menschen, wie viele Kinder bekommen Familien, wie viele Mehrgenerationenhaushalte gibt es und was verbindet die Gesellschaft eigentlich heutzutage, wo sich das Leben zunehmend individualisiert? Themen wie diese wurden im Rahmen des Vortrages angerissen. Der komplette Bericht ist hier zu finden:
https://www.arnsberg.de/humanitaerer-beirat/humanitaerer-beirat-20190410.php

Nach der Präsentation teilten sich die Gäste auf die folgenden drei Arbeitsgruppen auf, um hier intensiv ihre eigenen Ideen und Meinungen zu diskutieren: „Dialog der Generationen im Quartier“, „Die Babyboomer gehen in Rente. Wie und wo wollen sie wohnen?“ sowie „Familien zwischen Erziehungsauftrag und Arbeitswelt“.

Die Arbeitsgruppe „Familien zwischen Erziehungsauftrag und Arbeitswelt““ wurde von Michael John geleitet. Die teilnehmenden Gäste brachten viele spannende und wichtige Gedanken ein. So finden sich die Menschen nach Ansicht der Teilnehmer heutzutage in einer immer größer werdenden Doppelbelastung zwischen Familie und Beruf wieder, in der im Gegensatz zu früher immer weniger auf die Großeltern als Kinderbetreuung zurückgegriffen werden kann – denn diese verfolgen immer mehr berechtigterweise auch ihre eigenen Interessen und sind selbst im hohen Alter noch aktiv. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nannten darauf aufbauend viele Ideen zur Verbesserung der Situation, wie etwa durch Home Office, Betriebskindergärten, mehr Randzeitenbetreuung in Kitas und eine zentrale Plattform, die verschiedene Freizeitangebote für Kinder zusammenführt. Michael John bedankte sich für den vielen spannenden Input und sicherte zu, die vielen konstruktiven Ideen weiterzuverfolgen und auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen.

In der Arbeitsgruppe „Dialog der Generationen im Quartier“, die von Marita Gerwin und Martin Polenz (Zukunft Alter) geleitet wurde, kamen ebenfalls viele Ideen und Anregungen dazu zusammen, wie der Dialog noch besser gelingen kann. Hier entwickelte sich eine rege Diskussion zur fehlenden Transparenz über die Möglichkeiten zur kostengünstigen Mitnutzung von Räumen und Treffpunkten in den einzelnen Stadteilen. Vereinbart wurde konkret, eine stadtweite Abfrage zu organisieren, zu welchen Konditionen „wer-wo-welche“ Räume zur Verfügung stellen würde.

Des Weiteren wurde das Projekt „Generationenbrücke“ aus Berlin vorgestellt – ein nachahmenswertes Konzept – auch für Arnsberg. Weitere Infos für Interessierte hier: https://generationsbruecke-deutschland.de

Auch die Spiel-Modul-Reihe „KiDzeln – Kindern Demenz erklären“ wurde vorgestellt – eine Weiterbildung zur Vorbereitung der Begegnungen zwischen Kindern und älteren Menschen. Interessierte Organisationen und Einzelpersonen können sich an die Fachstelle Zukunft Alter Arnsberg wenden, um mehr zu erfahren. Bei Interesse, kann diese Qualifizierung in Arnsberg angeboten werden.

Eine weitere Idee bestand darin, Senior-Experten zu generieren, die ihr Wissen jungen „Start Up“ Unternehmen zur Verfügung stellen. Die Kontakte zu den interessierten Studierenden an den Universitäten, Fachhochschulen und Hochschulen in der Region könnten zeitnah durch Absolventen aufgebaut werden, mit dem Ziel, ein Experten-Pool aufzubauen.

Als weiteres Projekt wurde das in Stockholm entwickelte Konzept „Radeln ohne Alter – Recht auf Wind im Haar“ diskutiert. Mehr dazu finden Interessierte hier: https://radelnohnealter.de

Es wurde vereinbart, mit den Städten Lippstadt und Bonn zeitnah Kontakt aufzunehmen, die das Konzept bereits umsetzen. ggf. einen gemeinnützigen Verein zu gründen, die gemeinsam in Arnsberg dieses Mobilitäts-Projekt entwickeln möchten. Interessierte können sich an die Fachstelle Zukunft Alter Arnsberg wenden, um an der Weiterentwicklung dieser Idee mitzuwirken.

In der dritten Arbeitsgruppe „Die Babyboomer gehen in Rente – wie und wo wollen sie wohnen“ (geleitet von Bettina Dräger-Möller und Karl Sold, Stadtentwicklung), wurden die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er bis 1960er Jahre in den Fokus der Betrachtung gestellt. Allein in Arnsberg wird in den nächsten 10 Jahren die Altersgruppe der 60 bis 75-Jährigen um fast 4000 Personen anwachsen. Die Babyboomer sind geprägt durch gesellschaftliche Umbrüche wie z.B. der Ära ‚Willy Brand‘ und den Mauerfall oder den Frauen-, Friedens- und Umweltbewegungen der 1970er und 1980er Jahre. Es bestand Übereinstimmung, dass sich diese Generation von vorherigen Generationen unterscheidet. Sie ist besser ausgebildet, offener, mobiler und flexibler und geht oftmals noch sehr aktiv und vital in den Ruhestand. Welche neuen Bedürfnisse und Ansprüche an entwickeln nun diese Babyboomer? Zunächst wurde der Wunsch nach stadtnahen Wohngebieten mit einem guten Mix von Jung und Alt und Familien und Alleinstehenden geäußert. Insbesondere wurde auch die Bedeutung der barrierefreien Zugänglichkeit in räumlicher und kommunikativer Hinsicht von Wohngebieten, Wohnungen und Treffpunkten hervorgehoben. Das Wohnen in den „eigenen vier Wänden“ wird bis in das hohe Alter favorisiert. Um dies zu ermöglichen, wird es aber darauf ankommen, sich immer wieder selbst aktiv und kontinuierlich mit der eigenen Wohn- und Lebenssituation auseinander zu setzen, um rechtzeitig Anpassungen vornehmen zu können und Hilfssysteme anzufordern.

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